
Wortanzahl ist kein Rankingfaktor
Google hat wiederholt erklärt, dass die Anzahl der Wörter nicht in die Bewertung einfließt. John Mueller von Google sagte sinngemäß, Wortanzahl sei kein Qualitätsfaktor, und die Leitlinien zu hilfreichen Inhalten warnen ausdrücklich davor, Texte auf eine bestimmte Länge zu bringen, weil man glaubt, Google bevorzuge diese.
Warum halten sich Empfehlungen wie „mindestens 1.500 Wörter" trotzdem? Weil Studien immer wieder zeigen, dass gut rankende Seiten im Durchschnitt länger sind. Das ist aber eine Korrelation, keine Ursache. Längere Texte decken ein Thema oft vollständiger ab, bekommen mehr Links und beantworten mehr Fragen. Die Länge ist ein Nebeneffekt der Gründlichkeit, nicht ihr Grund.
Was die passende Länge bestimmt
Die Suchintention
Wer „Uhrzeit New York" sucht, braucht eine Zahl. Wer „Erbschaftsteuer Freibeträge Geschwister" sucht, braucht einige Absätze. Wer „Photovoltaikanlage planen" sucht, erwartet einen ausführlichen Leitfaden. Die Absicht hinter der Suche legt den Rahmen fest.
Die Komplexität des Themas
Manche Fragen lassen sich in drei Sätzen vollständig beantworten, andere brauchen zwanzig Abschnitte mit Tabellen und Beispielen. Ein Text ist dann lang genug, wenn keine wichtige Frage mehr offen ist.
Die Konkurrenz
Die bestplatzierten Seiten zeigen, welche Tiefe Suchende gewohnt sind. Sind die Top-Ergebnisse umfassende Leitfäden, wird ein kurzer Text kaum mithalten. Sind es kurze Definitionen, ist ein ausführlicher Leitfaden womöglich am Bedarf vorbei.
Der Seitentyp
| Seitentyp | Typische Länge | Anmerkung |
|---|---|---|
| Definition, kurze Frage | 300–800 Wörter | Kernantwort ganz oben |
| Anleitung | 800–2.000 Wörter | abhängig von der Zahl der Schritte |
| Umfassender Leitfaden | 2.000–5.000 Wörter | mit Inhaltsverzeichnis |
| Leistungsseite | 500–1.500 Wörter | Nutzen, Ablauf, Preise, Vertrauen |
| Kategorieseite im Shop | 50–800 Wörter | Sortiment steht im Vordergrund |
| Produktseite | 80–600 Wörter | plus technische Daten |
Diese Werte sind Erfahrungswerte, keine Vorgaben. Sie zeigen nur die Spannbreite, in der sich gute Seiten eines Typs häufig bewegen.
Die Wettbewerbsanalyse richtig lesen
Viele Tools berechnen eine „empfohlene Wortanzahl" aus dem Durchschnitt der Top-Ergebnisse. Das ist ein brauchbarer Anhaltspunkt, aber kein Ziel. Aussagekräftiger ist die Frage, welche Inhalte diese Seiten abdecken:
- Welche Unterthemen behandeln alle bestplatzierten Seiten?
- Welche Fragen beantwortet nur eine davon?
- Was fehlt überall?
Wer diese Fragen beantwortet, landet automatisch bei einer passenden Länge und hat zusätzlich einen inhaltlichen Vorsprung. Mehr zur Methode im Beitrag zur Wettbewerbsanalyse.
Wann lange Texte gewinnen
- Das Thema hat viele Unterfragen, die Suchende auf einer Seite beantwortet haben wollen.
- Die Entscheidung ist wichtig und teuer, etwa bei Anschaffungen, Finanzen oder rechtlichen Fragen.
- Der Text soll als Referenz dienen, auf die andere verlinken.
- Die Seite soll für viele verwandte Suchbegriffe gleichzeitig ranken.
Wann kurze Texte besser sind
- Die Frage hat eine klare, kurze Antwort.
- Suchende sind unter Zeitdruck, etwa bei Notfällen.
- Der Inhalt ist ein Werkzeug, zum Beispiel ein Rechner oder eine Vorlage.
- Die Seite dient vor allem der Navigation, etwa eine Übersicht.
Eine kurze Seite ist kein Thin Content, wenn sie die Frage vollständig beantwortet. Dünn ist eine Seite, die wenig Wert bietet, gleich ob mit 200 oder 2.000 Wörtern.
Lange Texte leserfreundlich machen
Ein Text mit 3.000 Wörtern wird von kaum jemandem vollständig gelesen, und das ist in Ordnung. Er muss aber so gebaut sein, dass jeder schnell den Abschnitt findet, den er braucht:
- Inhaltsverzeichnis mit Sprungmarken am Anfang
- aussagekräftige Zwischenüberschriften, die auch einzeln verständlich sind
- Kurzfassung oder direkte Antwort im Einstieg
- Tabellen, Listen und Hervorhebungen für die wichtigsten Punkte
- Abschnitte, die für sich allein stehen können
Länge ohne Füllstoff erreichen
Typische Füllstoffe: lange Einleitungen, die das Thema wiederholen, Abschnitte über die Geschichte eines Begriffs, die niemand gesucht hat, Wiederholungen derselben Aussage mit anderen Worten, allgemeine Schlussabsätze ohne neue Information.
Stattdessen erhöht echter Inhalt die Länge ganz natürlich:
- Beispiele und Fallstudien aus der Praxis
- Rechenbeispiele und konkrete Zahlen
- Sonderfälle und Ausnahmen
- typische Fehler und wie man sie vermeidet
- Antworten auf Folgefragen, die sich aus der Hauptfrage ergeben
Fragen und Antworten
Gibt es eine Mindestlänge, unter der Google Seiten ignoriert?
Nein. Google indexiert und rankt auch sehr kurze Seiten, wenn sie die Suchanfrage gut beantworten.
Soll ich bestehende kurze Texte verlängern?
Nur, wenn ihnen Inhalte fehlen, die Suchende brauchen. Die Search Console zeigt, für welche Suchanfragen eine Seite Impressionen erhält. Sind darunter Fragen, die der Text nicht beantwortet, ist eine Ergänzung sinnvoll.
Können zu lange Texte schaden?
Wenn die Kernantwort unter viel Vorrede verschwindet, springen Leser ab. Die Länge selbst schadet nicht, schlechte Struktur schon.